Schweinebraten für uns – Theater für alle!
Kolumne von Bärbel Bimschas
Wie wird welche Kultur finanziert? Ich ärgere mich schon lange über die GEZ. Seit der Pubertät, als ich die Lust verlor, an gemeinsamen Fernsehabenden in der Familie teil zu nehmen und mich mit Büchern und Träumereinen zurück zog, habe ich nur noch äußerst selten fern gesehen. Ein Gerät, mit dem ich es täte, besitze ich deswegen auch nicht. Damit mag ich durchaus zu einer kleinen Minderheit gehören, die natürlich trotzdem Hunderttausende umfasst. Wissen Sie, meine Empörung ist echt. Ungezählte Male im Jahr bekomme ich Post von einer Institution, die mir eine Erklärung abverlangt, ob ich jetzt endlich… Überweisungsformular beigefügt. Warum muss ich mich fünf Mal im Jahr dazu äußern? Und vor allem: Warum wird Fernsehen als ein Allgemein-Lebensmittel gesetzt, das die primärste – ich weiß, primärer als primär geht es eigentlich nicht, aber weiß das auch die GEZ? – Erfüllung ist? Dieses Fernsehen ist das Einzige was ich kenne, was ich angeblich automatisch nutze, nur weil es existiert. Göttlich? In the air? Irgendwas ist da immer in der Luft?
Man traut mir also nicht, weil ich etwas partout nicht nutze, was es gibt, und das ist das Fernsehen. Ohne Strom, Wasser, Dach überm Kopf, ohne Brot, ohne Schinken, ohne Wein, ohne Liebe, ohne all das kann und darf und muss man unter Umständen leben, wer ohne Fernseher auskommt, steht im Generalverdacht. Man kann ja viel über Fundamentalismus reden, diese Setzung des Fernsehens ist fundamentalistisch.
Theater, das ist etwas anderes… Da kämpfen wir um jeden Zuschauer, um jede Idee, sogar – rein finanziell – um jede Miete und jeden Vorhangstoff. Wir werden produktionsbezogen bezuschusst und kramen die Münzen zusammen, um so was wie „unseren Traum“ zu verwirklichen. Eine allgemeine Sozialabgabe gibt es nicht, dafür dass es das Glück des Theaters gibt…
So haben wir beschlossen unsere eigene kleine feine Rückendeckung zu gründen. Und die heißt: gemeinnütziger Verein. Wir haben keine der bürokratischen Hürden gescheut, nicht das Gründungsprotokoll, nicht den Antrag beim Finanzamt, nicht die dreimaligen Nachfragen des Amtsgerichts. Wir haben alles brav und in Lichtgeschwindigkeit gemeistert. Proudly presenting: Frankfurter Autoren Theater e.V. Für uns, für Sie, für alle.
Nun können wir Spendenquittungen ausstellen, was die GEZ ja nicht macht. Bei uns werden sie kein Zwangsmitglied, sondern genau dann, wenn Sie wollen. Und wir machen Ihnen ein äußerst attraktives Angebot: Ab 90 Euro im Jahr (für Studierende, Frankfurt-Pass-Inhaber etc. ab 70 Euro) können Sie bei uns Mitglied werden. Unsere Mitglieder besuchen alle unsere Vorstellungen kostenlos. Und können uns nach jeder Vorstellung bei Brot und Wein, was wir immer anbieten, genau sagen, was ihnen gefällt, missfällt, fehlt.
Wir gehen im Januar erst Mal Schweinebraten essen bei Gründungsmitglied Anita. Da feiern wir unseren Verein. Und später machen wir bestimmt ein Fest für unsere Fördermitglieder.
[29.12.2007]
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Die Kolumnistin ist Geschäftsführerin des Frankfurter Autoren Theaters.