BONBAST – SACKGASSE. Lesung in persischer Sprache am 22. Februar 2020 im FAT

Bonbast–Sackgasse
 
von Hossain Raihani
 
am Sa, 22. Februar 2020, 20:00 Uhr im FAT
 
Es liest der Autor selbst. Lesung in Persischer Sprache (Farsi)
Für Kinder unter 12 Jahren nicht geeignet.

Zary, knapp 10 Jahre alt, wird beim Spielen mit dem Nachbarsmädchen unterbrochen und muss am Abend desselben Tages sich ihrem Bewerber beim Bewirten attraktiv präsentieren. Der Heiratstermin wird für zwei bis drei Jahre später festgelegt. Während ihrer Ehe bekommt sie Kinder, wird von dem Mann geschlagen und vergewaltigt.
Um der ernsthaften Knappheit des Haushaltsbudgets, das von dem Mann zur Verfügung gestellt wurde, zu entgehen, fängt sie an, trotz des heftigen und aggressiven Widerstands des Mannes in einer Schneiderwerkstatt zu arbeiten. Sie erlebt die Revolution. Der Schah verlässt fluchtartig das Land, woraufhin Khomeini die Macht erlangt und eine islamische Republik errichtet. Die Unterdrückung und Armut wird zunehmend schlimmer und übersteigt auch die, welche unter der Alleinherrschaft des Schahs stattfand.
Kurz nach der Revolution bricht der Krieg mit dem Nachbarland aus. Der Mann, inzwischen ein militanter Anhänger von Khomeini, nimmt am Krieg teil und heiratet an der Front eine zweite Frau. Fast gleichzeitig wird die Schneiderwerkstatt geschlossen und Zary verliert ihre Arbeit. Die Unterhaltszahlung des Mannes ist gänzlich unzuverlässig. Bei Zary entsteht eine ernsthafte finanzielle Krise. Sie klagt ihn vor einem islamischen Gericht an. Der Richter, ein Mullah, ist ein Altbekannter und ein sehr enger Freund ihres verstorbenen Vaters in der örtlichen Wochenendgemeinde und hatte als Notar ihre Heirat nach islamischen Richtlinien zelebriert und amtlich registriert. Daher macht sie sich große Hoffnung.
Das Gerichtsverfahren läuft aber völlig anders, als sie es sich erhoffte. Der Richter macht ihr verständlich, dass er gesetzmäßig an dem Fall nichts machen kann. Um die nötige Unterstützung zu bekommen, versucht sie verzweifelt, ihre aussichtslose Lage dem Richter zu schildern. Der Richter verfolgt jedoch einen anderen Plan. Unter vier Augen unterbreitet er den Vorschlag, sich von dem Mann scheiden und die Kinder bei ihm zu lassen. Anschließend macht er ihr ein Heiratsangebot und verspricht ihr ein gemütliches und finanziell sorgloses Leben. Zary lehnt das Angebot ab und muss sich zwangsweise mit dem Zusammenleben mit der zweiten Frau unter einem Dach abfinden.
Die Abschlussszene zeigt zwei kleine und enge Zimmer nebeneinander. In einem Zimmer sitzt die zweite Frau dicht an der Trennwand auf dem Boden und stillt ein Kind, legt dabei ihr Ohr immer wieder an die Wand, um zu erhorchen, was auf der anderen Seite vor sich geht. Im anderen Zimmer spielen die Kinder von Zary ihre Erlebnisse nach. Der Sohn marschiert auf und ab und spielt einen militanten Anhänger Khomeinis und skandiert Parolen während die Tochter ein beruhigendes Lied für einen Säugling singt. Anschließend spielen sie die Vater-Mutter-Rolle nach und finden, nach einem Streit, wieder zu ihrem vorherigen Spiel zurück.
Der Sohn bleibt beim Skandieren der Parolen von Khomeinis Anhänger irgendwann plötzlich stehen und ruft eine Parole der Gegner aus. Die Schwester rennt sofort los, um die Mutter zu holen. Zary kommt panisch herein und versucht ihn, mit Warnungen vor dem Vater und den Pasdaran und Bestechungen – er bekommt eine Münze – dazu zu bringen, damit aufzuhören und stattdessen eine Khomeini gegenüber positiv gesinnte Parole auszurufen. Der Sohn gibt endlich nach und die Schwester bekommt ebenfalls eine Münze, woraufhin die beiden Süßigkeit kaufen gehen. Anschließend sitzt auch Zary dicht an der Trennwand auf dem Boden und fängt an, das Kind zu stillen. Beide Frauen legen beim Stillen ihre Ohren immer wieder an die Wand, um zu hören, was gegenüber geschieht. Das Licht ruht kurz auf den beiden Frauen und geht dann langsam aus.            

Hossain Raihani
Geboren am 1951 in Teheran
bis kurz vor der Flucht Schauspieler im Iran,
1982 Flucht nach Deutschland,
Ausbildung zum Krankenpfleger im Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt
bis 2010 als Krankenpfleger tätig und danach pensioniert

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