Sakra! Man wird sich dreschen – FR zu WELT KRIEG SCHWEJK

GALLUSTHEATER „WELT KRIEG SCHWEJK“ FR vom 25.10.14

Sakra! Man wird sich dreschen

Von SYLVIA STAUDE

„Weltkrieg Schwejk“ bringt im Frankfurter Gallustheater den braven, gerissenen Soldaten auf die Bühne.

Eine der markantesten literarischen Figuren, die aus den Wirren des Ersten Weltkriegs entstand, ist Josef Schwejk, noch besser bekannt als „der brave Soldat Schwejk“ – obwohl er doch manches ist, aber nicht brav. Der Beiname, den der tschechische Schriftsteller Jaroslav Hašek ihm gab, ist nur eine der Ironien, die seinen unvollendeten, aber nicht zuletzt durch die Verfilmung mit Heinz Rühmann berühmt gewordenen Roman durchziehen. Es ist vielleicht die klügste Entscheidung einer jetzt von Regisseur Ulrich Meckler auf die Bühne des Gallustheaters gebrachten Fassung mit dem Titel „Welt Krieg Schwejk“, dass er den Schwejk von einer Frau spielen lässt, der nicht zu dick, aber deutlich auftragenden Nicole Horny.

Pappkameraden in Reih und Glied

Eine Reihe von, im wortwörtlichen Sinn, Pappkameraden stehen vor der Pause im Hintergrund (Bühne Stefan Gey). Auf sie werden Originalaufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg projiziert, vor ihnen exerzieren Zwei. Verbrannte Erde (schwarze Folie) bedeckt nach der Pause die Bühne, darauf ein Maschinenskelett (Geert Joosten). Neben Horny wechseln Nenad Smigoc und Ilja Kamphues in alle weiteren Rollen, vor allem die der militärischen Vorgesetzten. Sie steigen auf eine kleines Podest, halten Reden, geben Befehle, predigen und drohen, verurteilen in Nullkommanichts zum Strang. Mancher hat einen erheblichen Hang zum Alkohol, die Gründe kann man sich denken.

Regisseur Meckler, der auch die Textfassung erstellt hat, hält die Handlung minimal (zuerst ist noch kein Krieg, dann ist halt einer), er baut viele kurze Szenen um die maximal drei Figuren auf. Die Umziehpausen überbrücken die Statisten (Christian März, Nedret Cinar). Schwejk selbst, der hellsichtige Schelm, wird zum roten Faden: „Sakra, wird man sich dreschen“, prophezeit er, versucht gleich, untauglich zu sein, hat kein solches Glück und beginnt sich durchzuschlagen oder eher, denn fast könnte man ihn als Pazifisten bezeichnen, durchzumogeln. Angeblich ist er „ohne besondere Merkmale“ (so ein Militärrichter), aber sein besonderes Merkmal ist doch eine sympathische Bauernschläue.
Bis zur Pause funktioniert die Inszenierung eine Stunde lang aufs Beste – auch, indem sie Pausen lässt. Dann geht es, unnötig, um Sago, Salami, Doppelkopf, wird alles lang und länger (nochmal 75 Minuten), gibt es noch einen Kostümwechsel und noch ein „Melde gehorsamst“. Und Schwejks unschuldige Gerissenheit bezirzt nicht mehr.

Hinterlassen Sie einen Kommentar