Aus den Augen blitzt die Intelligenz – FNP zu WELT KRIEG SCHWEJK

Aus den Augen blitzt die Intelligenz

FNP, 27.10.2014

Von Marcus Hladek

Ulrich Meckler inszenierte fürs Gallustheater Frankfurt seine Fassung zu Jaroslav Hašek: „Welt Krieg Schwejk“.

Untersetzt soll er sein und wirken wie ein Kretin, der „brave Soldat Schwejk“, der in anekdotenseliger Subversion, mit unzeitigen Wahrheiten, immer wieder scharf am Kriegsgericht vorbeischrammt, weil er versehentlich desertiert ist oder sein dialektischer Jubel auf den Kaiser den gesunden Menschenverstand aufwiegelt. Wie ein Sokrates oder eher Diogenes negiert er in der Nebenwirkung die k.u.k.-Ordnungsmaschine und muss also ein Kretin sein. Nicole Horny als solchen anzusprechen, ist dann doppelt komisch, denn was ihr aus den Augen blitzt, ist Intelligenz und nicht der Tölpel. Nur ihr Sprachklang weist am Anfang und wenn sie will (nicht oft) Richtung böhmäkelndes Klischee. Für die Wiener Reinhardt-Absolventin ist das die leichteste Übung.

Viel Gutes verdankt sich in dieser Regie, die wechselvoller rhythmisiert sein dürfte, Hornys Schwejk. Nenad Šmigoc wirft in wimmelnder Rollenvielfalt Uniformierter (streng, desperat, nachsichtig) oder als Arzt versteinerte Blicke in die Abgründe der rätselhaft sterbensunwilligen Seele und absurden Staatlichkeit, gern dräut er mit unheilvoller Stimme. Ilja Kamphues, „Stalburg“-gestählt, kapriziert sich entlarvend auf grausig-komische Typen oder demonstriert als feinsinniger Etappenhengst vor Šmigocs Frontoffizier kühl, warum ein Befehl zum Essenfassen auch dann ein Befehl bleibt, wenn Korruption vom Essen gar nichts im Graben ankommen lässt. Da könnte je jeder kommen! Zwei Edelstatisten markieren Szenen-Zäsuren: Vor der Pause schreiben sie vor Pappkameraden und historischen Fotoprojektionen zackige Figuren in den gedimmten Raum, später robben sie zombiehaft durch Plastikgräben und bedienen das Infanterie-Fliwatüt mit MG-Aufsatz, das strahlt und rumort wie eine Tinguely-Plastik.
Ein melancholisch Akkordeon-umspielter „Schwejk“ ist das, der ohne klebrige Habsburg-Nostalgie ans sinnlose Massenschlachten vor hundert Jahren erinnert und seine „Parallelaktion“ auch als Kooperation von „Frankfurter Autoren Theater“ und „Theater Prozess“ im Gallustheater erfüllt. Gespielt wird psychologisch, was Nicole Horny nach ihren Arbeiten mit „Wu Wei rekort Loew“ besonders gut ansteht.

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